Für den Mohnister Arso …

Lieber Arso,

ich kann nicht für Germanys next Bundeskanzlerin Thomas Grund sprechen, ich antworte nur als Social Secretary. Du hast völlig Recht mit Deiner Kritik, ich fühle mich dadurch beschämt. Es ist richtig, im Zuge der allgemeinen Resignation ist auch das next Kabinett in den Strudel geraten … Ich muss gestehen, dass ich wieder mal ans Schließen der GnBK-Blogosphere-Pforten gedacht habe, hätten wir nicht Thomas Grund als Germanys next Bundeskanzlerin gewinnen können. Ich bin zuversichtlich, dass Thomas Grund Deine Worte nicht nur verstehen und begrüßen wird, ich bin nicht minder zuversichtlich, dass er Deine Kritik als positiven Ansporn verstehen wird. Woran das next Kabinett ja seit Beginn krankte, war ja die Germanys next Bundeskanzlerin. Wir haben zweimal eine Wahl durchgeführt und zweimal sind uns die mit großen Mehrheiten gewählten next Kanzlerinnen relativ schnell abhanden gekommen. Es gab keine integrierende Figur, die eine Vision hatte und diese darstellen, vermitteln und virtuell gestalten konnte oder wollte und Impulse gesetzt haben. Ich bin mir sicher, dass Thomas Grund eine positive Vision von Germanys next Bundeskanzlerin hat und diese auch in die virtuelle Realität umsetzen wird. Und ja, ich denke auch, es sollte spätestens nächstes Jahr zur realen Bundestagswahl sichtbar werden, ob wir Ideen zur realen Veränderung dieses Landes haben. Dafür braucht es leider Zeit, Zeit, die wir ja jetzt haben. Vielleicht ist es nur für mich spürbar, aber die Dinge bewegen sich langsam, aber kontinuierlich.

Dieser neue Naturalismus, wie Du es nennst, ist enorm wichtig. Du magst die Kabinettsküche vielleicht zu wenig rezipieren, doch dort habe ich ganz bewusst fast vier Wochen den Good Food March begleitet. Eine in meinen Augen wirklich fantastische Weise, die Dinge in Bewegung zu bringen. Und ich zitiere den Koch Wam Kat, der sagt: „Wenn man etwas in dieser Welt verändern will, dann dürfe man das Pferd nicht von hinten aufzäumen, sagt Wam Kat. Man müsse beim Essen anfangen. „Du kannst mit einem McDonalds-Hamburger in der Hand keine Atomkraftwerke zukriegen.“
Als er vor knapp 30 Jahren auf Demonstrationen und Aktionen vegetarisch kochte, da fragten ihn die Leute: „Wo gibt es das Fleisch?“ Heute, so erzählt er, fragten ihn fast dieselben Leute: „Ist das vegan?“
Wie wichtig die Frage nach dem Essen ist, wurde Wam Kat klar, als er während seines Soziologie-Studiums in der Wurstfabrik arbeitete.“

Gerade die Agrar- und Lebensmittelindustrie ist doch das Perfideste, was der Kapitalismus aufzubieten hat. Die Nuklearindustrie, die Waffen- und Kriegsindustrie beispielsweise sind offensichtlicher in ihren Absichten. Zur Kriegsindustrie gibt es ja beim Zentrum für Politische Schönheit ein großartiges Projekt, das ich auch in der Kabinettsküche vorstelle. Die Lebensmittelindustrie ist deshalb so perfide, weil die dortigen Marketingexperten genau wissen, wie träge unser Bauch ist. Auch deshalb umhüllen sie uns mit der sogenannten ‚Essensmatrix‘, aus der wir nur mit enorm hoher psychischer und geistiger Energie herauskommen.

Und ja, Germanys next Bundeskabinett ist sehr heterogen, weswegen es hier äußerst schwer ist, den Anspruch, den Du zu Recht formulierst, umzusetzen. Andererseits, wir sind nicht parteipolitisch gebunden, einige Kabinettsmitglieder stehen der Partei Die PARTEI nahe, einige sind bei der Die Linken oder bei den Piraten oder bei den Grünen, sogar bekennende Christen haben wir als Kabinettskollegen und durchaus auch FDP nahe Kollegen. Auch Attac und die Occupy-Bewegung gehören ins Spektrum. Es gibt in diesem Spektrum unzählige, sicher besser funktionierende Blogs, die ideologisch stringenter aufgestellt sind. Im Blog ‚Rund um den Kabinettstisch‘ findet man Links zu solchen Blogs. Eine fundierte Kapitalismuskritik mit praktikablen Lösungen zu diskutieren, wäre wundervoll. Ich rege zum wiederholten Male an, dass wir dafür den Gruppenblog ‚Rund um den Küchentisch‘ eingerichtet haben, wo wir solche Dinge unkompliziert tun könnten. Nächstes Jahr will ich die Daily Posts verstärkt von dort machen und ich hoffe, gemeinsam mit der next Bundeskanzlerin und den schon dort anwesenden Kollegen wie Dominic Memmel und Ulla Keienburg schaffen wir es, eine kleine, starke Gruppe zu installieren, wo es möglich ist, verschiedene Ansätze zu verfolgen. Ulla Keienburg beispielsweise kümmert sich um die Aspekte Bildung und Kultur, die nicht minder essentiell sind, wie die von mir in der Kabinettsküche verfolgte Essensmatrix. Dominic Memmels Ministerium für Innere Schönheit verfolgt mit seiner Reihe ‚Bewerte den Politiker‘ einen nicht minder wichtigen Ansatz, man muss die Personen auf den Punkt bringen, die uns die Sauereien einbrocken.

Gut, soviel für jetzt. Ich hoffe, wir finden unsere gemeinsame Basis wieder und ich wünsche Dir etwas Geduld im Überwinden des degenerierenden Kapitalismus.

Herzlichst,
Renate

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4 Kommentare

Eingeordnet unter Für den Mohnister Arso ..., Germanys next Bundeskabinett, Social Secretary

4 Antworten zu “Für den Mohnister Arso …

  1. arso

    Liebe SoSe,

    ich bin fest davon überzeugt, dass es das falsche Gefühl wäre, wenn Du Dich beschämt fühlst. Ich glaube, dies würde der Sache nicht gerecht werden, denn die „Probleme“, die liegen schlicht und einfach auf meiner Seite …

    Ein wenig kennst Du mich ja vielleicht, und Du wirst Dir vorstellen können, dass ich selten ohne vorherige Selbstreflexion etwas „kritisiere“ oder anmerke. Weißt Du, es ist z.B. so, daß mir in der vergangenen Zeit sehr häufig die Worte unseres wunderbaren Gemütlichkeitsministers in Erinnerung gelangt sind, da er damals, direkt nach meinem Dazustoßen zum GnBK, entwaffnend direkt anmerkte, dass das GnBK eher heterogen einzeln agierend wäre und dass die Kollegen untereinander nicht so wirklich als Kabinett auftreten würden… Das kann man nun sicher rauf- und runterdeklinieren, aber im Kern war/ist da natürlich nicht nur was dran, sondern es determiniert den maßgeblichen Wesenszug des GnBK: Seine HETEROGENE Vielfalt.

    Und GENAU dieses WESEN ist es aber letztlich, was bei mir zu einer immer weiteren Entfernung geführt hat; denn ich hatte mich der idealistischen, vielleicht romantischen Illusion hingegeben, dass das GnBK ein linkes Projekt und damit implizit ein (innerhalb seinerselbst) HOMOGENES Gebilde sei. Ich will es bewusst so direkt niederschreiben und artikulieren. Meine Wahrnehmung wurde damals hauptsächlich dadurch genährt, dass eben z.B. Uwe und Du, aber auch Emil u.a., eine (für mich) linke Position (auf)zeigten. Ich hatte das Gefühl, dass es hier (vordergründig) um soziale Aspkete, um partizipatorische Elemente für die Schwächeren, aber auch um systemische Fragen ging, die auch andere „Schichten“ miteinbeziehen. Dies muss und soll(te) so sein.

    Du schreibst ja auch, liebe SoSe, dass im GnBK im Prinzip alle (politischen) Richtungen verteten sind. Dies ist richtig. Aber aus meiner Sicht ist es damit eben „nur“ noch ein Abbild der Gesellschaft im GANZEN; nur im verkleinerten Maßstab. Und dies, so scheint mir, ist der neuralgische Punkt, an dem ich immer mehr zu knabbern habe, denn das war nun mal leider nie meine Intention. Damit dies aber nicht falsch ankommt wiederhole ich nochmals: Das Problem, dass ich das nicht erkannt habe und ich stattdessen in einer Art Projektion verblieb, liegt auf MEINER Seite. Ich möchte das niemandem zum Vorwurf machen oder dies als Kritik am GnBK verstanden wissen. Hier sind wunderbare Geister und Köpfe am werkeln. Und sie sollen dies auch weiterhin unbedingt tun – das wäre mein Wunsch, meine Hoffnung an das GnBK.

    Aber ich bitte dennoch auch mich zu verstehen, denn als Anhänger der Frankfurter Schule möchte ich eben ein signifikant anderes Gesellschaftsmodell inkl. einer anderen Form des Kapitalismus anstreben; vielleicht gar eine neue, erweiterte oder vermischte [mit. kapital. Elementen] Form des Sozialismus. Ich kann mich nun mal leider nicht für das koloniale Wirtschaftsgebaren des europäischen Kontinents (und natürlich der USA etc.) „begeistern“, denn es unterdrückt, heute im Kern noch mehr als früher, die überwiegende Zahl der Menschen in eben diesen/“seinen“ Kolonien. Und das geht einfach nicht (mehr). Europa und die USA etc. müssen begreifen, dass sie kein Recht dazu haben, immer weiter auszubeuten und sich als Mittelpunkt der Welt zu sehen. In der taz las ich kürzlich den mehr als treffenden Begriff des WOHLSTANDSCHAUVINISMUS, der (aber nicht nur) aus Deutschland wirkt und strahlt – in die Welt, in „seine“ Kolonien. Klar, er strahlt auch aus vielen Ländern der EU in die Welt. Diese doch sehr simple Feststellung trifft aber eben mind. für 50% der Deutschen zu; man möchte hier um (fast) jeden Preis seinen Wohlstandslevel halten und wird dabei chauvinistisch. Wie man ja am unsolidarischem Verhalten innerhalb der EU unschwer erkennen kann. So sehr ich das empathisch nachvollziehen kann, dass Deutsche (auch Bürger anderer EU-Staaten), dies als Reflex für den Schutz der eigenen Familien tun, so wenig kann ich verstehen, dass viele nicht begreifen (wollen), dass der Wohlstand Deutschlands und der EU zu großen Teilen eben nur darauf basiert, dass andere ihn „bezahlen“. Man kann dies nicht oft genug sagen.

    In diesem Zusammenhang muss man aber auch darauf verweisen, auf welch perfide Weise der Neoliberalismus mit seinen Leistungs- Metaphern/Narrativen das Bewusstsein der Menschen unterwandert. Es gilt ja (nicht nur in D) nach wie vor als „größte“ Leistung, das maximale aus einer Unternehmung rauszu- holen/pressen, solange man damit nur Arbeitsplätze erhält oder neu schafft; die Bedingungen dieser sind dabei aber nachgeordnet. Und ja, es versteht sich von selbst, dass die unteren 20% in den europäischen Gesellschaften (= „Die Armen“), dessen Teil ich selbst ja auch bin, natürlich kaum wohlstandschauvinstisch sein können. Aber die Gros in D sind es nunmal…

    Implizit ist damit auch „erklärt“, dass es für linke Positionen max. eine Spanne bis ca. 20% geben kann. Aber dieses Thema ist riesig und ich will hier nicht weiter Fragmente und Versatzstücke aneinanderreihen – ich denke, meine Position ist damit mehr als deutlich umrissen.

    -CUT-

    Ja, das Essen hat in Deutschland leider immer noch keinen wirklich großen Status. Dies sieht man ja nicht zuletzt daran, dass wir hier die (fast) preiswertesten Nahrungs-/ Lebensmittel innerhalb der EU haben – das ist ein Fakt. Der Deutsche gibt zudem (insgesamt, auf sein Einkommen bezogen) deutlich weniger dafür aus, als Franzosen, Italiener oder Schweizer und Schweden – trotz einer leichten Tendenz zu mehr Bioprodukten. Insofern leistet Wam Kat eine gute Aufklärung, denn er verkörpert/spiegelt ja eigentlich „nur“ die alte Weisheit: Du bist, was du ißt. Und ja, ich stimme Dir zu, was die Perfidität am Kapitalismus kulminierend in der Praxis der Agrar- und Lebensmittelindustrie betrifft. Am subtilsten und skandalösesten zugleich finde ich hierbei, dass man die Trennung zwischen Lebens- und Nahrungsmitteln immer mehr verwischt. Lebensmittel BRAUCHT der Mensch; Nahrungsmittel braucht er aber NICHT (unbedingt). Aber man behauptet immer mehr, man würde diese und jene Nahrungsmittel brauchen. Dass die Welt bei überwiegend veganer Ernährung komplett ernährt werden könnte, steht außer Frage – aber dies „darf“ man kaum mehr artikulieren. Dann gilt man schnell als dröge Spaßbremse und wird zum bitteren Moralisten degradiert. Heute muss sich jeder frei entfalten können, lautet das Credo. Komisch nur, dass dies mehrere Milliarden Menschen auf der Welt leider nicht können – weil sie nicht mal Lebensmittel, geschweige denn Nahrungsmittel haben…

    So, nun habe ich wieder mal halbe Romane geschrieben; aber nun reicht’s wohl 😉

    Ich danke Dir für Deine dedizierenden Worte und ich möchte Dir (nochmals) versichern, dass gerade Du, liebe Renate, für mich einen besonderen Status hast: Dein Maß an Differenzierung, Weitsicht und Empathie sucht (von Anfang an) seinesgleichen – davon bin ich überzeugt. Und mit Ulla Keienburg haben wir im GnBK in der Tat eine mehr als gute Seele für die Themen Kultur und Bildung. Ihr Leuchtturm strahlt in so manch dunkle Ecken des GnBK und mit ihrem Taschenmesser schärft sie so manchen Blick, wie ich finde…

    In diesem Sinne,
    es grüßt Dich ganz herzlich
    Dein arso

  2. carchili

    Nun ich denke, Mohnister Arso könnte auf seine Kosten kommen. Allerdings muss die Kanzlerin ihre Aufgaben erfüllen und es ist deswegen und zur Sicherheit aller, notwendig, vorläufige Geheimhaltung wichtiger strategischer Entscheidungen walten zu lassen.

    Hinzu kommt in diesem Punkt, dass wir vorschützen müssen, dass unsere Reden, Ideen und Taten von der sogenannten Bundeskanzlerin Merkel kopiert werden.

  3. Liebe SoSe,

    ich bin fest davon überzeugt, dass es das falsche Gefühl wäre, wenn Du Dich beschämt fühlst. Ich glaube, dies würde der Sache nicht gerecht werden, denn die „Probleme“, die liegen schlicht und einfach auf meiner Seite …

    Ein wenig kennst Du mich ja vielleicht, und Du wirst Dir vorstellen können, dass ich selten ohne vorherige Selbstreflexion etwas „kritisiere“ oder anmerke. Weißt Du, es ist z.B. so, daß mir in der vergangenen Zeit sehr häufig die Worte unseres wunderbaren Gemütlichkeitsministers in Erinnerung gelangt sind, da er damals, direkt nach meinem Dazustoßen zum GnBK, entwaffnend direkt anmerkte, dass das GnBK eher heterogen einzeln agierend wäre und dass die Kollegen untereinander nicht so wirklich als Kabinett auftreten würden… Das kann man nun sicher rauf- und runterdeklinieren, aber im Kern war/ist da natürlich nicht nur was dran, sondern es determiniert den maßgeblichen Wesenszug des GnBK: Seine HETEROGENE Vielfalt.

    Und GENAU dieses WESEN ist es aber letztlich, was bei mir zu einer immer weiteren Entfernung geführt hat; denn ich hatte mich der idealistischen, vielleicht romantischen Illusion hingegeben, dass das GnBK ein linkes Projekt und damit implizit ein (innerhalb seinerselbst) HOMOGENES Gebilde sei. Ich will es bewusst so direkt niederschreiben und artikulieren. Meine Wahrnehmung wurde damals hauptsächlich dadurch genährt, dass eben z.B. Uwe und Du, aber auch Emil u.a., eine (für mich) linke Position (auf)zeigten. Ich hatte das Gefühl, dass es hier (vordergründig) um soziale Aspkete, um partizipatorische Elemente für die Schwächeren, aber auch um systemische Fragen ging, die auch andere „Schichten“ miteinbeziehen. Dies muss und soll(te) so sein.

    Du schreibst ja auch, liebe SoSe, dass im GnBK im Prinzip alle (politischen) Richtungen verteten sind. Dies ist richtig. Aber aus meiner Sicht ist es damit eben „nur“ noch ein Abbild der Gesellschaft im GANZEN; nur im verkleinerten Maßstab. Und dies, so scheint mir, ist der neuralgische Punkt, an dem ich immer mehr zu knabbern habe, denn das war nun mal leider nie meine Intention. Damit dies aber nicht falsch ankommt wiederhole ich nochmals: Das Problem, dass ich das nicht erkannt habe und ich stattdessen in einer Art Projektion verblieb, liegt auf MEINER Seite. Ich möchte das niemandem zum Vorwurf machen oder dies als Kritik am GnBK verstanden wissen. Hier sind wunderbare Geister und Köpfe am werkeln. Und sie sollen dies auch weiterhin unbedingt tun – das wäre mein Wunsch, meine Hoffnung an das GnBK.

    Aber ich bitte dennoch auch mich zu verstehen, denn als Anhänger der Frankfurter Schule möchte ich eben ein signifikant anderes Gesellschaftsmodell inkl. einer anderen Form des Kapitalismus anstreben; vielleicht gar eine neue, erweiterte oder vermischte [mit. kapital. Elementen] Form des Sozialismus. Ich kann mich nun mal leider nicht für das koloniale Wirtschaftsgebaren des europäischen Kontinents (und natürlich der USA etc.) „begeistern“, denn es unterdrückt, heute im Kern noch mehr als früher, die überwiegende Zahl der Menschen in eben diesen/“seinen“ Kolonien. Und das geht einfach nicht (mehr). Europa und die USA etc. müssen begreifen, dass sie kein Recht dazu haben, immer weiter auszubeuten und sich als Mittelpunkt der Welt zu sehen. In der taz las ich kürzlich den mehr als treffenden Begriff des WOHLSTANDSCHAUVINISMUS, der (aber nicht nur) aus Deutschland wirkt und strahlt – in die Welt, in „seine“ Kolonien. Klar, er strahlt auch aus vielen Ländern der EU in die Welt. Diese doch sehr simple Feststellung trifft aber eben mind. für 50% der Deutschen zu; man möchte hier um (fast) jeden Preis seinen Wohlstandslevel halten und wird dabei chauvinistisch. Wie man ja am unsolidarischem Verhalten innerhalb der EU unschwer erkennen kann. So sehr ich das empathisch nachvollziehen kann, dass Deutsche (auch Bürger anderer EU-Staaten), dies als Reflex für den Schutz der eigenen Familien tun, so wenig kann ich verstehen, dass viele nicht begreifen (wollen), dass der Wohlstand Deutschlands und der EU zu großen Teilen eben nur darauf basiert, dass andere ihn „bezahlen“. Man kann dies nicht oft genug sagen.

    In diesem Zusammenhang muss man aber auch darauf verweisen, auf welch perfide Weise der Neoliberalismus mit seinen Leistungs- Metaphern/Narrativen das Bewusstsein der Menschen unterwandert. Es gilt ja (nicht nur in D) nach wie vor als „größte“ Leistung, das maximale aus einer Unternehmung rauszu- holen/pressen, solange man damit nur Arbeitsplätze erhält oder neu schafft; die Bedingungen dieser sind dabei aber nachgeordnet. Und ja, es versteht sich von selbst, dass die unteren 20% in den europäischen Gesellschaften (= „Die Armen“), dessen Teil ich selbst ja auch bin, natürlich kaum wohlstandschauvinstisch sein können. Aber die Gros in D sind es nunmal…

    Implizit ist damit auch „erklärt“, dass es für linke Positionen max. eine Spanne bis ca. 20% geben kann. Aber dieses Thema ist riesig und ich will hier nicht weiter Fragmente und Versatzstücke aneinanderreihen – ich denke, meine Position ist damit mehr als deutlich umrissen.

    -CUT-

    Ja, das Essen hat in Deutschland leider immer noch keinen wirklich großen Status. Dies sieht man ja nicht zuletzt daran, dass wir hier die (fast) preiswertesten Nahrungs-/ Lebensmittel innerhalb der EU haben – das ist ein Fakt. Der Deutsche gibt zudem (insgesamt, auf sein Einkommen bezogen) deutlich weniger dafür aus, als Franzosen, Italiener oder Schweizer und Schweden – trotz einer leichten Tendenz zu mehr Bioprodukten. Insofern leistet Wam Kat eine gute Aufklärung, denn er verkörpert/spiegelt ja eigentlich „nur“ die alte Weisheit: Du bist, was du ißt. Und ja, ich stimme Dir zu, was die Perfidität am Kapitalismus kulminierend in der Praxis der Agrar- und Lebensmittelindustrie betrifft. Am subtilsten und skandalösesten zugleich finde ich hierbei, dass man die Trennung zwischen Lebens- und Nahrungsmitteln immer mehr verwischt. Lebensmittel BRAUCHT der Mensch; Nahrungsmittel braucht er aber NICHT (unbedingt). Aber man behauptet immer mehr, man würde diese und jene Nahrungsmittel brauchen. Dass die Welt bei überwiegend veganer Ernährung komplett ernährt werden könnte, steht außer Frage – aber dies „darf“ man kaum mehr artikulieren. Dann gilt man schnell als dröge Spaßbremse und wird zum bitteren Moralisten degradiert. Heute muss sich jeder frei entfalten können, lautet das Credo. Komisch nur, dass dies mehrere Milliarden Menschen auf der Welt leider nicht können – weil sie nicht mal Lebensmittel, geschweige denn Nahrungsmittel haben…

    So, nun habe ich wieder mal halbe Romane geschrieben; aber nun reicht’s wohl 😉

    Ich danke Dir für Deine dedizierenden Worte und ich möchte Dir (nochmals) versichern, dass gerade Du, liebe Renate, für mich einen besonderen Status hast: Dein Maß an Differenzierung, Weitsicht und Empathie sucht (von Anfang an) seinesgleichen – davon bin ich überzeugt. Und mit Ulla Keienburg haben wir im GnBK in der Tat eine mehr als gute Seele für die Themen Kultur und Bildung. Ihr Leuchtturm strahlt in so manch dunkle Ecken des GnBK und mit ihrem Taschenmesser schärft sie so manchen Blick, wie ich finde…

    In diesem Sinne,
    es grüßt Dich ganz herzlich
    Dein arso

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